Univ.-Prof. Dr.-Ing. Josef Zimmermann

Referent Zimmermann

Firma/Organisation:
Technische Universität München, Lehrstuhl für Bauprozessmanagement und Immobilienentwicklung, Arcisstraße 21, 80333 München

Vita:
1973 - 1979 Studium im Fach Bauingenieurwesen an der RWTH Aachen
1979 - 1985 RWTH Aachen
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl u. Institut für Massivbau
01.07. 1985 Promotion zum Doktor-Ingenieur
1985 - 1993 Hochtief AG, Leiter des Zentralbereiches Technik der HNL Rhein-Ruhr
1993 - 1996 Oevermann GmbH & Co., Hoch- und Tiefbau, Münster, Geschäftsführer 
1996 - 2001 Walter Bau-AG,  Mitglied des Vorstandes
2001 - 2004 IVG Immobilien AG, Bonn, Generalbevollmächtigter
Leiter  Zentralbereich Immobilien-Projektentwicklung
Geschäftsführer der IVG Management GmbH
01. 09. 2004 Ordinarius für Bauprozessmanagement und Immobilienentwicklung an der 
Technischen Universität München   

Vortragstitel:
Prozessorientierter Nachweis der Kausalität zwischen Ursache und Wirkung bei Bauablaufstörungen

Inhalt des Vortrages:
Der Bauherr legt den Fertigstellungstermin des Gesamtprojektes bereits in der Phase der Projektentwicklung aus den Anforderungen der Nutzung (z. B. Mietvertrag) mit der Realisierungsentscheidung fest. Jedes Projekt wird gesteuert und geleitet durch den Bauherrn (Auftraggeber), der sich eines Teams aus Projektleitern, Projektsteuerern, Bauleitern etc. bedient. Das Projektteam jeden Auftragnehmers (Bauunternehmen) führt das Projekt für seinen jeweiligen Leistungsbereich spätestens mit der Vergabe (Werkvertrag) über die Leistungserbringung bis zu Fertigstellung und Abnahme. Der Auftragnehmer ist im Rahmen seines Werkvertrages dafür verantwortlich, das vom Bauherrn beauftragte Bausoll und damit insbesondere auch den jeweils vertraglich vereinbarten Fertigstellungstermin für seine Leistungen zu realisieren. Die Überschreitung des Fertigstellungstermins des Gesamtprojektes führt zu Nutzungsausfällen und damit zu Schäden für den Bauherrn. 
Die Analyse der gängigen Rechtsprechung, der zahlreichen Veröffentlichungen zu "Gestörten Bauabläufen" sowie auch die einschlägigen Erfahrungen des Verfassers in seiner Eigenschaft als Gutachter zeigen, dass die Einhaltung von Vertragsfristen in vielen Fällen nicht gegeben ist und sich die Parteien im Nachhinein, d. h. nach Beendigung der Bauleistungen, über die Ursachen der Nichteinhaltung und die zugehörigen Schadensersatz- oder Entschädigungsforderungen auftraggeber- und auftragnehmerseitig auseinandersetzen. 
In diesen strittigen Fällen werden in der Regel sowohl der Soll-Bauablauf als auch der Ist-Bauablauf im Nachhinein rekonstruiert. Es entstehen im Rückblick sogenannte "störungsmodifizierte" bzw. "rechnerisch begründete Soll-Bauablaufpläne".
Es stellt sich damit die Frage, ob allein schon die Tatsache, dass ein Auftragnehmer im Nachhinein eine Forderung auf Schadensersatz oder Entschädigung, die mit einem derartigen Gutachten auf der Grundlage "Störungsmodifizierter bzw. rechnerisch begründeter Soll-Bauablaufpläne" nachgewiesen werden soll, ein Indiz dafür ist, dass der Auftragnehmer das Projekt während der Realisierung nicht wirksam gesteuert hatte. Damit kann in Frage gestellt werden, ob der dazu zwingend erforderliche Ablaufplan auf der Grundlage einer sorgfältig durchgeführten Produktionsplanung (Kapazitäten, Ressourcen) mit der Anzahl der Vorgänge, deren Dauern sowie der kausalen und kapazitativen Anordnungsbeziehungen zur proaktiven Steuerung des Projektes überhaupt geeignet gewesen ist. Wenn der Ablaufplan nachträglich detailliert werden muss, um Behinderungsfolgen nachweisen zu können, war der ursprüngliche Soll-Ablaufplan (Vertragsablaufplan) offenkundig zur Steuerung des Projektes nicht geeignet. 
Es stellt sich daher die Frage, aus welchem Grund Vorgänge und Ereignisse wie etwa Behinderungen oder Verzüge, die während der Projektlaufzeit eintreten und unmittelbar physisch erfahrbar sind, erst nach Projektende -häufig durch einen externen Gutachter- aufbereitet werden müssen, um gegebenenfalls die Schuldfrage sowie auch die Schadenshöhe zu ermitteln. Tatsächlich könnte im Projekt bzw. auf der Baustelle selbst zeitnah festgestellt werden, ob ein bestimmter Plan vorhanden ist oder nicht, ob die Leistungen eines Unternehmers im Rahmen des Vertragsablaufplanes erfolgt sind oder nicht, ob eine Leistung dem Bauinhaltssoll entspricht oder nicht (Qualität), ob die jeweilige Vorleistung anderer Auftragnehmer vertragsgemäß fertig gestellt war, etc.

Der Vortrag reflektierte folgende Aspekte:

  • Bausoll – Bauinhalt und Bauumstände
  • Definitionen Termin- und Ablaufplanung
  • Produktivität
  • Planung - Prozessketten
  • Leistungsbereitschaft
  • Kritischer Weg
  • Behinderung, Bedenkenanzeige und Leistungsänderungen
  • Störungsbasiert-fortgeschriebener Ablaufplan
  • Projektgemeinkosten PGK und Allgemeine Geschäftskosten AGK