Tipps für den Betreiber:

Trinkwasseranlagen richtig betreiben und nutzen

Regelmäßigen Wasseraustausch sicherstellen

 

Nicht nur die bedarfsgerechte Planung und fachgerechte Montage der Trinkwasser-Installation, sondern auch der regelmäßige Wasseraustausch im gesamten Leitungsnetz sind Voraussetzung für den langfristig hygienischen Anlagenbetrieb. Laut Arbeitsblatt DVGW 6023 sollte im bestimmungsgemäßen Betrieb der Wasseraustausch spätestens nach 72 Stunden erfolgen. Dies verhindert, dass Trinkwasser in den Rohrleitungen stagniert und aufkeimt oder Inhaltsstoffe aus der Installation in das Trinkwasser gelangen. Sinnvoll sind in dem Zusammenhang Hygiene-Spülstationen wie Uponor Smatrix Aqua PLUS, die abhängig von den Wassertemperaturen und der Stagnationszeit automatisch Spülungen einleiten.

Regelmäßíg Wasseraustausch sicherstellen

Untersuchungspflicht in Bezug auf Legionellen

Legionellen

Werden Legionellen z. B. beim Duschen über Aerosole eingeatmet, so kann dies bereits in wenigen Tagen eine Legionellose („Legionärskrankheit“) verursachen.

Dies ist eine schwere Lungenentzündung mit einer Sterberate von ca. 15%, für die besonders ältere Menschen und Personen mit einem geschwächten Immunsystem anfällig sind.

In Deutschland treten schätzungsweise jährlich mindestens 20.000 Legionellosen auf. Zudem erkranken eine vielfache Anzahl Personen an dem ebenfalls durch Legionellen ausgelösten „Pontiac-Fieber“, das in seinen Symptomen einer Sommergrippe ähnelt.

Warnung

Legionellen

Welche Gesundheitsgefahr geht von Legionellen aus?

Legionellen sind Bakterien, die üblicherweise nur in geringer Konzentration in Oberflächengewässern, Grundwässern und in von Versorgungsunternehmen bereit gestellten Trinkwässern vorkommen.

Finden die Legionellen in der Trinkwasserinstallation eines Gebäudes gute Lebensbedingungen vor (Temperaturen zwischen 25 °C und 55 °C, Stagnationsbereiche oder ungenügender Wasseraustausch), so vermehren sie sich über den in der TrinkWV vorgegebenen technischen Maßnahmewert von 100 KBE (Koloniebildende Einheiten)/100 ml.
Als Großanlage zählen alle Anlagen, die einen Trinkwassererwärmer mit einem Inhalt von mehr als 400 Litern und/oder ein Rohrleitungsvolumen von mehr als 3 Litern zwischen dem Trinkwassererwärmer und der am weitesten entfernten Entnahmestelle enthalten. Dabei wird der Inhalt einer Zirkulationsleitung nicht berücksichtigt.  Hier zeigt sich ein Vorteil der dezentralen Frischwarmwasserbereitung in größeren Gebäuden: Da weder große Trinkwasserspeicher noch Rohrleitungsvolumina größer 3 Liter zwischen Bereitung und Entnahme vorhanden sind, kann die kostenintensive Beprobung entfallen.

Umfang und Häufigkeit der Untersuchungen

Der Umfang und die Häufigkeit der Untersuchungen richtet sich danach, ob die untersuchungspflichtige Anlage öffentlich genutzt wird (z.B. Krankenhäuser, Schulen, Jugendherbergen, Bahnhöfe, Flughäfen) oder gewerblich (vermietete Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, vermiete Wohnhäuser mit mehr als 2 WE, Arbeitsstätten)
  • Nutzung im Rahmen öffentlicher Tätigkeit und sowohl öffentlicher als auch gewerblicher Tätigkeit 
    Untersuchungen auf Legionellen mindestens einmal jährlich. Alle Wasseruntersuchungsergebnisse sind dem Gesundheitsamt zu übermitteln.
  • Nutzung im Rahmen gewerblicher Tätigkeit 
    Untersuchungen auf Legionellen mindestens alle 3 Jahre. Meldung an das Gesundheitsamt nur bei Überschreitungen des technischen Maßnahmenwertes (für Legionellen: über 100 KBE/100 ml)

Die Ergebnisse der Untersuchungen auf Legionellen müssen mindestens 10 Jahre aufbewahrt werden und sind dem Gesundheitsamt auf Anforderung vorzulegen.

Wenn bei der Beprobung Legionellenkonzentrationen über 100 KBE/100 ml festgestellt werden, müssen nach TrinkWV, § 16, durch den Unternehmer oder dem sonstigen Inhaber (UsI) der Trinkwasser-Installation folgende Schritte durchgeführt oder veranlasst werden: 

  • Untersuchungen zur Aufklärung der Ursachen mit Ortsbesichtigung, Prüfung der Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik,
  • Erstellen einer Gefährdungsanalyse 
  • Durchführung der Maßnahmen, die nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik zum Schutz der Gesundheit der Verbraucher erforderlich sind. Der UsI teilen dem Gesundheitsamt unverzüglich die von ihnen ergriffenen Maßnahmen mit.
Rechtlich gesehen stellt die zur Verfügungstellung von Wasser aus einer TWI, bei der der technische Maßnahmewert überschritten wird, eine Sorgfaltspflichtverletzung dar (ähnlich der Pflicht zum Schneeräumen auf Gehwegen). Der UsI der Trinkwasserinstallation haftet dementsprechend privatrechtlich bei eventuellen Personenschäden.

Untersuchungspflicht für Betreiber

Gemäß Trinkwasserverordnung müssen untersuchungspflichtige Anlagen in vorgegebenen Zeitintervallen auf Legionellen untersucht (beprobt) werden. Die Erstuntersuchung einer neu in Betrieb genommenen und unter die Untersuchungspflicht fallende Wasserversorgungsanlage hat innerhalb der ersten drei bis zwölf Monate nach Inbetriebnahme der Anlage zu erfolgen.
Anlagen untersuchungspflichtig

Welche Anlagen sind untersuchungspflichtig?

Untersuchungspflichtig sind Anlagen in Gebäuden

  • in denen Trinkwasser im Rahmen gewerblichen Tätigkeit (Gewinnerzielungsabsicht) abgegeben wird
  • die eine Großanlage zur Trinkwassererwärmung enthalten 
  • die Duschen oder andere Einrichtungen enthalten, in denen es zu einer Vernebelung des Trinkwassers kommt

Im Umkehrschluss müssen also Mehrfamilienhäuser, in denen ausschließlich Eigentümer wohnen, gewerblich genutzte Gebäude ohne Einrichtungen, in denen es zu einer Vernebelung kommt (z.B. Duschen) sowie 1- und 2-Familienhäuser nicht beprobt werden.